Stresstest-Design: historisch, hypothetisch, KI-generiert

Ein Stresstest prüft, was ein Portfolio aushält, wenn Annahmen brechen. Drei Quellen treiben die Szenarien: historische Ereignisse, hypothetische Konstruktionen und zunehmend KI-generierte Gegenwelten. Jede Quelle hat eigene Schwächen.

Historische Szenarien

Historische Stresstests spielen vergangene Krisen nach: Finanzkrise 2008, Euro-Krise, Corona-Crash, Zinswende 2022. Ihr Vorteil: sie sind passiert, nicht erfunden. Ihr Nachteil: sie sind begrenzt. Wer nur testet, was schon war, ist auf das nächste, neue Ereignis nicht vorbereitet.

Hypothetische Szenarien

Hypothetische Stresstests konstruieren Ereignisse, die noch nicht stattgefunden haben – ein plötzlicher Zinsanstieg um 200 Basispunkte, ein Währungseinbruch, der Ausfall eines Gegenparteis. Ihre Stärke liegt in der Freiheit. Ihre Schwäche liegt in der Willkür: wer das Szenario wählt, wählt auch das Ergebnis.

KI-generierte Gegenwelten

KI-Verfahren erzeugen Szenarien, die plausibel wirken, aber nicht stattgefunden haben. Sie lernen aus historischen Mustern und variieren sie. Das hilft, den Raum möglicher Ereignisse zu verbreitern. Die Gefahr: ein Modell, das aus Vergangenheit lernt, erzeugt keine wirklich neuen Ereignisse, sondern Variationen des Bekannten.

Drei Fragen trennen belastbare KI-Szenarien von Erzählung:

  • Ist das Szenario physikalisch möglich? Ein Zins von −10 % ist keine Prognose, sondern eine Annahme – sie muss benannt werden.
  • Ist das Szenario konsistent? Zinsanstieg und Währungs­abwertung gleichzeitig können widersprüchlich sein, je nach Währung.
  • Ist das Szenario erklärbar? Ein Szenario, das nur das Modell kennt, lässt sich nicht vertreten.

Was gute Stresstest-Designs auszeichnet

Belastbare Stresstests kombinieren alle drei Quellen, trennen sie aber sauber. Sie zeigen, welches Szenario aus welcher Quelle stammt, und sie berichten nicht nur das Ergebnis, sondern die Annahmen. Wer die Annahmen nicht kennt, kann das Ergebnis nicht einordnen.

Grenzen

Stresstests messen, was unter bestimmten Annahmen passiert. Sie sagen nicht, wie wahrscheinlich diese Annahmen sind. Wer aus einem Stresstest eine Wahrscheinlichkeit macht, überschreitet, was der Test leisten kann.

Dieser Text ordnet das Stresstest-Design redaktionell ein und stellt keine Anlageberatung dar.